Mời cả nhà ăn cơm!
Komm, setz dich mit uns an den Tisch!
Meine Eltern sind in den 80er Jahren nach Deutschland gekommen und leben jetzt schon sehr lange hier. Bei ihnen merke ich, dass dieses Nostalgische oder die Sehnsucht manchmal da ist – und dann auch wieder nicht. Meine Mutter sagt zum Beispiel: ‚Ach, bánh mì bò schmeckt hier nicht so gut – in Deutschland ist es doch besser.’ Da schaut man vielleicht mit weniger Sehnsucht, sondern mit mehr Rationalität darauf.
Ich glaube, dass wir, die diasporisch sind – die in Deutschland geboren sind, aber deren Eltern aus einem anderen Land kommen, deren Eltern eine Migrationsgeschichte haben –, dazu neigen, unsere Erinnerungen und unser diasporisches Wissen teilweise auch ein bisschen zu romantisieren oder vielleicht sogar manchmal zu überhöhen. Weil es uns mehr bedeutet oder etwas anderes bedeutet – oder weil wir mehr daraus ziehen als Menschen, für die das alltäglich ist. Ich denke einfach, dass es für uns vielleicht noch mal etwas anderes ist, wenn man so einen Teller bánh xèo oder bánh cuốn vor sich hat – das ist mit super viel Arbeit verbunden. Da hängen vielleicht bestimmte Erinnerungen dran. Wenn ich aber in Vietnam bin und zu meinen Cousinen sage: ‚Lass uns bánh cuốn, bánh xèo essen’, dann ist das für sie einfach ein normaler Dienstag, an dem sie in ein Restaurant fahren. Es hat für sie eine ganz andere Selbstverständlichkeit als für uns, denke ich.
Als ich festgestellt habe, dass sich die Gastronomieszene verändert, hat es mich natürlich auch interessiert: Was wird hier eigentlich gekocht, was serviert – und was scheint bei den deutschen Kund*innen anzukommen? Denn in der Gastronomie geht es ja vor allem darum, das zu servieren, was sich am meisten verkauft, wenn man Geld verdienen will und keine Sterneküche hat, sondern einfach ein Geschäft betreibt, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Es geht darum, das zu machen, was die Kund*innen am meisten wollen. Ich habe dann noch einmal genauer hingeschaut: Was verändern wir hier eigentlich an vietnamesischen Gerichten? Wie modifizieren wir sie, damit sie dem deutschen Geschmack entsprechen und wir möglichst viele Portionen verkaufen?