Mời cả nhà ăn cơm!
Komm, setz dich mit uns an den Tisch!
Ich hatte immer im Hinterkopf, gastronomisch was zu machen und da hat es sich dann ergeben, weil meine ganze Familie in Potsdam Restaurants haben und auch immer noch betreiben.
In den vietnamesischen Restaurants gibt es die vietnamesischen Gerichte, die zu Teller- oder Schüsselgerichten verarbeitet werden, da vielleicht auch schon eine Authentizität haben und sich natürlich an den Gerichten, die es bei uns gibt, anlehnen. In den việt-deutschen Restaurants gibt es zum Beispiel die angelehnten Gerichte, wie eine Schüssel phở oder eine Schüssel bùn bò oder bún chay, also die ganzen bún-Gerichte, die ja manchmal auch als ‚lauwarme Reisnudelsalate’ bezeichnet werden. Dann gibt’s verschiedene cơm-Gerichte. Wie beispielsweise eine Portion cơm mit Gemüse und Erdnusssoße oder eine Portion cơm mit Gemüse, Tofu und Erdnusssoße. Das ist total beliebt, aber an sich kein typisches vietnamesisches Gericht. Oder udon xào. Udon Nudeln sind aber gar nicht vietnamesisch, oder auch Curries, die größtenteils nicht typisch vietnamesisch sind. Aber all das würde man, denke ich, auf einer, ‚Standard-Việt-Restaurant-Karte’ in Deutschland finden – Bowls oder Sachen wie phở, bún, cơm-Gerichte, udon xào, Currygerichte. Ich glaube, das sind Gerichte, die im herkunftsdeutschen Bewusstsein als vietnamesisch bezeichnet werden und auch als vietnamesisch im Kopf existieren. Das sind aber Gerichte, die es derart in Vietnam nicht gibt, und wir – die das Wissen von beiden Seiten haben und wissen, wie das Essen in Vietnam ist und was hier serviert wird – wir wissen, dass das eine Art Hybrid ist. Das, was dann, glaube ich, authentischer oder auf jeden Fall vietnamesisch ist, das sind die Vorspeisen. Zum Beispiel haben wir cuốn, rán, há cảo oder auch die Salate. Aber ich finde, die meisten việt-deutschen Restaurants, die sind việt-deutsch, weil sie an den deutschen Geschmack angepasst sind.
Als sich in den 90er Jahren viele Vietnamesen in Ostdeutschland selbstständig gemacht haben, gab es meist drei Wege: Blumenladen, Textilgeschäft oder Restaurant. Damals hat man aber nicht gesagt: ‚Ich eröffne ein vietnamesisches Restaurant mit phở und bún‘ – stattdessen hat man ‚chinesische Restaurants’ eröffnet, mit Ente süß-sauer, Frühlingsrollen und Pekingsuppe. Das hat sich sehr, sehr weit getragen – bis zum Anfang der 2000er. Mein Vater hat mir erzählt, dass es verschiedene Gründe dafür gab, warum sich China-Restaurants bis in die 2000er gehalten haben: Zum einen dachte man, dass die Deutschen vielleicht Peking-Ente und Frühlingsrollen eher kennen würden als die vietnamesischen Gerichte. Zum anderen ging es auch einfach um Verfügbarkeit der Zutaten: Koriander, die ganzen Kräuter und alles, was wir in der vietnamesischen Küche verwenden, war einfach nicht so leicht zugänglich. Also hat man den Weg gewählt, als Vietnamesen chinesische Restaurants aufzumachen. Dann kam in den 2000er Jahren der Sushi-Hype – zumindest in den Kleinstädten. Viele Vietnamesen haben angefangen, zusätzlich Sushi zu verkaufen. Erst später gab es eine breitere Akzeptanz und auch ein breiteres Interesse an vietnamesischen Gerichten, sodass Vietnamesen immer mehr Restaurants aufgemacht haben, wo auch vietnamesisches Essen verkauft wurde. Dadurch konnten immer mehr Restaurants wirklich vietnamesische Gerichte anbieten. Und es ist kein Zufall, dass es gerade in Ostdeutschland viele Restaurants, in denen es vietnamesisches Essen gibt und die von Vietnamesen geführt werden, trotzdem noch zusätzlich Sushi angeboten wird. Das ist wie ein Relikt dieser Entwicklung – ein zusätzlicher Weg, Geld zu verdienen. Also der Blick und die Akzeptanz haben sich auf jeden Fall verändert.