Mời cả nhà ăn cơm!
Komm, setz dich mit uns an den Tisch!
Ich glaube, dass wir, die diasporisch sind – die in Deutschland geboren sind, aber deren Eltern aus einem anderen Land kommen, deren Eltern eine Migrationsgeschichte haben –, dazu neigen, unsere Erinnerungen und unser diasporisches Wissen teilweise auch ein bisschen zu romantisieren oder vielleicht sogar manchmal zu überhöhen. Weil es uns mehr bedeutet oder etwas anderes bedeutet – oder weil wir mehr daraus ziehen als Menschen, für die das alltäglich ist. Ich denke einfach, dass es für uns vielleicht noch mal etwas anderes ist, wenn man so einen Teller bánh xèo oder bánh cuốn vor sich hat – das ist mit super viel Arbeit verbunden. Da hängen vielleicht bestimmte Erinnerungen dran. Wenn ich aber in Vietnam bin und zu meinen Cousinen sage: ‚Lass uns bánh cuốn, bánh xèo essen’, dann ist das für sie einfach ein normaler Dienstag, an dem sie in ein Restaurant fahren. Es hat für sie eine ganz andere Selbstverständlichkeit als für uns, denke ich.
Ich sage immer, dass das, was es in den typischen vietnamesischen Restaurants in Deutschland gibt, dass das việt-deutsches Essen ist und gar nicht per se das vietnamesische Essen, so wie wir das von zuhause kennen. Das ist eine eingedeutsche Version von vietnamesischem Essen.
Die erste Generation, also meinen Eltern oder auch meine Großeltern, die direkt aus Vietnam kamen, die wissen, wer sie sind. Die sagen nicht: ‚Ich muss ganz dringend meine vietnamesische Kultur erhalten’. Die wissen es, die kennen ja nichts anderes. Für sie war klar, dass sie Vietnamesen sind. Die haben uns immer gesagt, dass das einen großen Wert hat und wir uns früher oder später damit auseinandersetzen müssen. Das fand ich in meiner Jugend oft schwer, wenn meine Eltern sagten: ‚Ihr werdet hier nie komplett akzeptiert werden, also macht euch klar, wer ihr seid, und lebt damit’.