Mời cả nhà ăn cơm!

Come sit at the table with us!​

Ich habe damals einen Text darüber geschrieben, wie es ist, im China-Restaurant zu arbeiten, obwohl ich vietnamesisch bin. Weil es mich einfach so geprägt hat – nach der Schule im Restaurant zu sitzen, Hausaufgaben zu machen, oder schon als Kind die Wochenenden dort zu verbringen und sich total zu langweilen. Dann mit irgendwelchen Kund*innen zu sprechen und gerade in der Kleinstadt auch mit Rassismus oder den Vorstellungen vom Essen umzugehen. Ich war natürlich auch konfrontiert mit der Haltung: ‚Jetzt gehen wir zum Chinesen.’

Wir waren ja bis 13, 14 in Vietnam – da nimmst du den typischen Geschmack von jedem Gericht auf. Du isst es immer wieder und weißt genau, wie es schmecken muss. Hier versuchst du dann, diesen Geschmack wieder hinzubekommen. Man lernt das von der Mama, später auch selbst. Und manchmal erinnerst du dich an einen bestimmten Geruch von früher, den du dann wiederfinden willst. Wie der Geruch von Sài Gòn in den Gassen. Und plötzlich gehst du in Paris durch eine Straße und es riecht genauso. So ist das auch mit dem Essen. Ich habe einen bestimmten Geschmack von hủ tiếu im Kopf – den kennst du einfach von früher. Die haben da irgendwas reingetan, keine Ahnung was, aber es war genau dieser Geschmack. Heute riechst du das oft gar nicht mehr, wenn du irgendwo bist. Aber in Paris, da gibt’s diesen Geruch noch. Und dein Gehirn erkennt ihn sofort wieder. Das passiert nur bei bestimmten Gerichten – die, die sich irgendwie festsetzen, die im Gedächtnis bleiben.

Ich war in Leipzig und in einem vietnamesischen Restaurant essen. Dort hat mich dann der chú gefragt: ‚Bố mẹ cháu ở đâu, bố mẹ cháu làm gì?’ Und dann habe ich erzählt, dass mein Vater auch ein Restaurant in Thüringen hat. Der meinte dann so: ‚Oh Thüringen, thành phố nhỏ thế! Dann verkauft dein Vater bestimmt auch noch Ente süß-sauer, oder?’ Und das ist ja total wahr. Je kleiner der Ort, desto eher ist es noch so, dass die Akzeptanz und die Neugierde für vietnamesisches Essen kleiner war und desto größer war auch die Chance, dass ein Vietnamese dort noch gebratene Nudeln, gebratenen Reis und Ente süß-sauer verkauft. Das hat viel mit Akzeptanz und Fremdzuschreibung zu tun, das hat aber auch viel mit Wirtschaftlichkeit zu tun. Ich glaube, es ist nicht so, dass man sagt, dass es ideell für mich wäre, wenn wir vietnamesisch verkaufen würden, sondern wir verkaufen das, was wir verkaufen, weil wir halt Geld annehmen müssen, weil wir Miete bezahlen müssen. Das ist dann eine eher rationale Rechnung.

Schämt euch nicht für
euer Essen!